In den letzten Woche hat Hannes Bantle ein Praktikum im Bundestagsbüro von Thorsten Frei gemacht. Im folgenden können Sie seinen Praktikumsbericht lesen:
In der vergangenen Woche durfte ich als Praktikant im Bundestagsbüro von Thorsten Frei, Chef des Bundeskanzleramts und Bundesminister für besondere Aufgaben, einen intensiven und außergewöhnlich spannenden Einblick in das politische Geschehen in Berlin gewinnen. Als Student der Politikwissenschaft und Geschichte für das gymnasiale Lehramt mit dem Schwerpunkt Sicherheits- und Verteidigungspolitik war dieses Praktikum für mich von besonderer Bedeutung, fachlich wie persönlich.
Bereits mein erster Tag am Montag, dem 23.02., begann mit einem absoluten Highlight: dem Besuch im Bundeskanzleramt. Das Kanzleramt als Schaltzentrale der Bundesregierung ist nicht nur architektonisch beeindruckend, sondern auch politisch ein besonderer Ort. Besonders eindrucksvoll war für mich das persönliche Kennenlernen mit Bundesminister Thorsten Frei, der sich Zeit für ein Gespräch nahm. Für einen kurzen Moment bekam ich zudem Bundeskanzler Merz zu Gesicht, ein prägender Augenblick, der mir noch einmal bewusst machte, wie nah ich am politischen Zentrum unseres Landes sein durfte.
Im Büro wurde ich von Viva Heines herzlich empfangen und während der gesamten Woche engagiert und professionell betreut. Diese offene und unterstützende Atmosphäre ermöglichte es mir, von Beginn an aktiv mitzuwirken und viele Eindrücke zu sammeln.
Am Mittag desselben Tages hatte ich im Rahmen einer Diskussionsrunde mit Carsten Linnemann die Gelegenheit, Fragen zum aktuellen politischen Geschehen zu stellen. Die Bandbreite der Themen war beeindruckend: vom möglichen Social-Media-Verbot über die Umfragewerte der CDU und strategische Überlegungen im Umgang mit der AfD bis hin zur Wehrpflicht, zur sicherheitspolitischen Ausrichtung Deutschlands, zur Rentenpolitik und zum strukturellen Dilemma der deutschen Politik insgesamt. Besonders spannend war für mich, politische Entscheidungsprozesse nicht nur theoretisch, sondern aus erster Hand nachvollziehen zu können.
Im Anschluss nahm ich an einer Sitzung des Ausschusses für Arbeit und Soziales teil. Dort wurde unter anderem über die Integration ukrainischer Flüchtlinge in den deutschen Arbeitsmarkt sowie über geplante Änderungen der Koalition im Bereich der sozialen Sicherungssysteme debattiert. Die sachliche, aber zugleich kontroverse Diskussion verdeutlichte mir, wie komplex sozialpolitische Entscheidungen sind und wie viele Faktoren dabei berücksichtigt werden müssen.
Der Dienstag stand ganz im Zeichen der Sicherheitspolitik. In einem Vortrag über den Bundesnachrichtendienst erhielt ich tiefgehende Einblicke in die Arbeitsweise, Aufgaben und Hintergründe des BND. Für mich als Student mit Schwerpunkt Sicherheits- und Verteidigungspolitik war dies ein besonders wertvoller Programmpunkt. Die Ausführungen machten deutlich, wie essenziell nachrichtendienstliche Arbeit für die strategische Handlungsfähigkeit Deutschlands ist.
Am Mittwoch nahm ich zunächst an einem parlamentarischen Frühstück zur europäischen Energiepolitik teil, bei der die Wechselwirkungen zwischen Berlin und Brüssel thematisiert wurden. Hierbei haben die Abgeordneten die Möglichkeit mit Vertreterinnen und Vertretern der deutschen Industrie in den Austausch zu kommen. Anschließend besuchte ich den Wirtschaftsausschuss. Der Wirtschaftsausschuss beschäftigte sich mit dem bereits von der Ampel-Regierung eingebrachten Vorhaben zur gemeinsamen Förderung von Erdgas im deutsch-niederländischen Grenzgebiet in der Nordsee.
Im Anschluss verfolgte ich im Plenum die Regierungsbefragung von Bundesminister der Verteidigung Boris Pistorius sowie Bundesministerin für Gesundheit Nina Warken. Die unmittelbare Konfrontation von Regierung und Parlament machte die Kontrollfunktion des Deutschen Bundestages eindrucksvoll sichtbar. Gerade im Bereich der Verteidigungspolitik wurde deutlich, wie groß die Erwartungen an strukturelle Reformen und die Einsatzbereitschaft der Bundeswehr sind.
Ein besonders bewegender Programmpunkt war eine Veranstaltung zur aktuellen Menschenrechtslage im Iran. Im Mittelpunkt standen die systematische Unterdrückung politischer Opposition, massive Einschränkungen der Meinungs- und Versammlungsfreiheit sowie die Situation von Frauen und religiösen Minderheiten. Expertinnen und Experten berichteten von Repressionen gegen Aktivistinnen und Aktivisten, vor allem von den massiven Repressalien gegen die Protestierenden zu Beginn dieses Jahres, bei denen Schätzungen zufolge rund 36.000 Menschen ermordet wurden.
Zugleich wurde die internationale Dimension thematisiert: die Rolle des Iran als regionaler Machtfaktor im Nahen und Mittleren Osten, sein Einfluss auf verschiedene Konflikte in der Region sowie die sicherheitspolitischen Implikationen seines außenpolitischen Handelns. Die Diskussion machte deutlich, wie komplex das Spannungsfeld zwischen Menschenrechtspolitik, diplomatischen Beziehungen, Sanktionsregimen und strategischen Interessen ist. Für mich war diese Veranstaltung ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie eng normative Fragen und sicherheitspolitische Realitäten miteinander verknüpft sind.
Am Donnerstag verfolgte ich erneut eine Plenardebatte, unter anderem zum russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine und zur Notwendigkeit weiterer Unterstützung. Gerade vor dem Hintergrund meines Studienschwerpunkts wurde mir hier nochmals bewusst, welche sicherheitspolitische Verantwortung Deutschland in Europa trägt. Fragen der militärischen Unterstützung, der Abschreckung und der langfristigen europäischen Sicherheitsarchitektur standen dabei im Zentrum der Debatte.
Im Anschluss nahm ich an einer Sitzung der Corona-Enquete-Kommission teil, die sich mit der politischen und gesellschaftlichen Aufarbeitung der Pandemie befasste. Hier wurde deutlich, wie wichtig eine differenzierte Analyse politischer Entscheidungsprozesse ist, nicht mit dem Ziel parteipolitischer Zuspitzung, sondern um Lehren für künftige Krisen zu ziehen.
Der Freitag, 27. Februar 2026, begann früh mit einem politischen Frühstück im Deutschen Bundestag zum Thema „Christen im Nahen Osten: Aktuelle Einblicke aus Jerusalem“. Referent war Dr. Daniel Schwake, Direktor des Academic Center der University of Notre Dame in Jerusalem. Die Veranstaltung stand unter der Schirmherrschaft von Lars Rohwer MdB.
Im Mittelpunkt standen die Lebensbedingungen christlicher Minderheiten in der Region. Thematisiert wurden politische Instabilität, fehlender staatlicher Schutz und strukturelle Diskriminierung, die Christen in vielen Ländern des Nahen Ostens existenziell bedrohen. Als Ausnahme wurde Israel hervorgehoben, wo die Zahl der christlichen Bevölkerung seit Jahren zunimmt. Diskutiert wurde, warum sich die Lebensbedingungen in Israel grundlegend von denen in den palästinensischen Gebieten und in anderen Teilen der Region unterscheiden und weshalb die Ursachen für den massiven Rückgang christlicher Gemeinden in einigen Nachbarstaaten in politischen Debatten häufig nicht ausreichend beleuchtet werden. In vertraulicher Atmosphäre wurde außerdem darüber gesprochen, welche konkrete Unterstützung Christen im Nahen Osten benötigen und welchen Beitrag sie als religiöse Minderheiten zu Dialog, Verständigung und langfristigem Frieden in der Region leisten können.
Den Abschluss meines Praktikums bildete am Freitag eine Führung durch das Bundeskanzleramt. Noch einmal die Abläufe, die Architektur und die organisatorischen Strukturen dieses zentralen Regierungsortes aus nächster Nähe zu erleben, war ein würdiger Abschluss einer intensiven Woche. Dabei wurde mir erneut bewusst, welche Verantwortung und Koordinationsleistung hier täglich im Hintergrund erbracht werden, um politisches Handeln auf Bundesebene zu steuern.
Was mich während der gesamten Woche besonders beeindruckt hat, war die unmittelbare Nähe zu politischen Entscheidungsprozessen. Themen, die ich tagsüber in Ausschüssen, Arbeitsgruppen oder im Plenum verfolgte, sah ich am Abend in den Nachrichten wieder. Politik wurde so von einem theoretischen Studiengegenstand zu einer konkret erlebbaren Realität.
Dieses Praktikum war für mich eine außergewöhnliche und prägende Erfahrung. Es hat nicht nur meine fachlichen Interessen im Bereich der Sicherheits- und Verteidigungspolitik weiter vertieft, sondern auch meinen Wunsch bestärkt, mich wissenschaftlich und beruflich weiterhin intensiv mit politischen Fragestellungen auseinanderzusetzen und langfristig einen Beitrag zur politischen Bildung kommender Generationen zu leisten.
Mein besonderer Dank gilt Bundesminister Thorsten Frei und Viva Heines für die hervorragende Betreuung, die offenen Gespräche und die Möglichkeit, eine so intensive Woche im politischen Zentrum Deutschlands erleben zu dürfen. Ich kann ein Praktikum in diesem Büro jedem empfehlen, der einen authentischen, vielseitigen und tiefgehenden Einblick in das politische Leben in Berlin gewinnen möchte.
