Gesundheitsreform: Gespräch mit AOK-Chef Rettenmaier in Villingen-Schwenningen

Die Krise im Gesundheitssystem bestimmte das Gespräch zwischen AOK-Geschäftsführer Harald Rettenmaier, CDA-Vorsitzender Gottfried Schmidt, Oliver Böhme, alternierender Vorsitzender Bezirksrates und Thorsten Frei in der AOK in Villingen-Schwenningen.

„Das Wichtigste für uns bei dieser Reform ist, Einnahmen mit Ausgaben in Einklang zu bringen. Und wir wissen, dass im System vieles besser laufen könnte, denn wir haben nach den USA und der Schweiz das drittteuerste System, liegen bei der Leistung aber nur im Mittelmaß.“ Rettenmaier lobte die Vorschläge der Gesundheitskommission, kritisierte allerdings, dass inzwischen einiges verwässert worden sei und so auch ein Ungleichgewicht zu Lasten der Beitragszahler entstanden sei. Er kritisierte zudem den niedrigen Bundeszuschuss für die Krankenkassen für Bürgergeldempfänger oder Asylbewerber. „Würde dieser Zuschuss auf die realen Gesundheitskosten dieser Gruppen angehoben, könnten die Beiträge für alle gesenkt werden, wodurch auch die Lohnnebenkosten in Bezug auf mehr Wettbewerbsfähigkeit sinken würden“ sagte Harald Rettenmaier.

Gesprochen wurde auch über mögliche Verbesserungen des Systems. Man war sich einig, dass eine Reduzierung der Krankenkassen, wie vielfach gefordert, deutliche Serviceverluste, aber wenig Einsparungen bringen würde und verwies dabei auf Österreich. Allerdings, so schränkte Thorsten Frei ein, sollten die Kassen für Leistungserbringer technisch enger zusammenarbeiten, denn der Aufwand mit zehn unterschiedlichen Kassen über unterschiedliche Systeme abzurechnen, sei zeitraubend und damit teuer.

Einig waren sich Rettenmaier und Frei in Bezug auf die Terminvergabe bei Ärzten. „Unsere Versicherten sprechen hier von einer Zwei-Klassengesellschaft. Hier sei die Unzufriedenheit am größten“ sagte Rettenmaier. Frei betonte, dass die Gesundheitsversorgung in Deutschland im Vergleich zum EU-Ausland grundsätzlich sehr gut sei, das Terminproblem müsse man aber angehen. Durch das geplante Hausarztmodell würden jedenfalls Facharzttermine wieder schneller möglich.

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