Nachbarschaftshilfevereine haben sich angesichts der wachsenden Zahl an älteren und pflegebedürftigen Menschen aus Privatinitiativen heraus vermehrt in Baden-Württemberg gegründet und bieten niederschwellige Unterstützung beim Einkauf, Arztbesuchen oder Spaziergängen an. Die Pflegekassen unterstützen diese ehrenamtliche Tätigkeit und vergüten sie pro Monat mit derzeit 131 Euro. Über die geplanten Strukturveränderungen in der Pflegeversicherung vermuten diese Vereine nun Nachteile für die Vereinsidee und vor allem für die Pflegebedürftigen. Darüber sprach Thorsten Frei am Freitag mit Mönchweilers Bürgermeister Rudolf Fluck, der sich seit Jahren für die Altenhilfe einsetzt, und Hüfingens Bürgermeister Patrick Haas, der in seiner Stadt ebenfalls einen Verein initiierte. Beim Gespräch im Rathaus Mönchweiler waren auch Vertreterinnen der Nachbarschaftshilfe dabei: Ingrid Krickl (Bad Dürrheim), Sigrid Hall (Aasen-Heidenhofen) und Stefanie Münch von der Generationenhilfe Mönchweiler und stellten ihre Arbeit und Forderungen vor.
Thorsten Frei stellte klar, dass es vor 30 Jahren noch keine Pflegeversicherung gegeben habe und diese dann als Teilkaskoversicherung angelegt worden sei. „Vielfach wird sie aber als Vollversicherung verstanden. Das ist ein Irrtum“, sagte Frei. Mit der wachsenden Zahl älterer Menschen sei die Pflegekasse nun deutlich ins Minus gerutscht. Die Regierung könne das rasch wachsende Defizit nicht dauerhaft ausgleichen, entsprechend brauche es eine Reform mit entsprechenden Einschnitten. Damit wolle man auch vielfachen Missbrauch, den auch Rudolf Fluck beklagte, reduzieren: „Unterstützung werde heute mit Pflegegeld beglichen, die mit der Pflege nichts zu tun haben.“ Frei betonte auch, dass weiterhin die erwachsenden Kinder für die Eltern hauptverantwortlich seien. Anders gehe es nicht, zumal aktuell keine 20 Prozent der Pflegebedürftigen in Heimen leben würden.
Es liege aktuell noch kein Referentenentwurf durch den neuen Gesundheitsminister vor. Frei sagte aber, dass es Strukturen wie Nachbarschaftshilfevereine oder Einzelhelfer in anderen Bundesländern brauche, um die pflegenden Familien etwas zu entlasten.
Die Vereinsvertreter betonten ausdrücklich, dass sie sich ausschließlich auf vorgesehene Hilfen konzentrieren würden. Arbeiten wie Rasenmähen seien Privatsache. Fluck betonte auch, dass die Nachbarschaftshilfe für die Gesellschaft einen enormen Mehrwert bedeute. Die älteren Menschen seien für die Unterstützung sehr dankbar.
