„Der Gesamtbeitragssatz zur Sozialversicherung, also Beiträge zur Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung, hat ein Rekordniveau von mehr als 42 Prozent überstiegen. Wenn wir hier nicht gegensteuern würden, wären es in zehn Jahren mehr als 50 Prozent und somit nochmals deutlich weniger Netto für jeden Arbeitnehmer“, machte Thorsten Frei in einer Gesprächsrunde beim Malteser Hilfsdienst am Samstagmorgen in Villingen-Schwenningen die Notwendigkeit tiefgreifender Reformen nochmals deutlich. Umgekehrt stellten die Vertreter des Hilfsdienstes, Bezirksgeschäftsführerin Sabine Kuri, Frank Schira, Frank Schira, Beauftragter des Malteser Verbundes beim Deutschen Bundestag und der Bundesregierung, Ehrenamtsleiter Benjamin Crain und Dienststellenleiter Rainer Kühl klar, weshalb im Rettungswesen Sparbemühungen durch externe Zwänge kaum leistbar seien.
Man befinde sich als Hilfsorganisation in einer Sandwichsituation, sagte Sabine Kuri: „Durch gesetzliche Vorgaben, Tarifverträge oder Strukturveränderungen, etwa in der Kliniklandschaft, steigen für die Hilfsorganisationen die Kosten ohne eigenes Zutun. Durch die Sicherung des Hilfspflicht innerhalb von 12 Minuten in Baden-Württemberg benötigen wir mehr Fahrzeuge und auch Personal. Zudem wachsen die Ansprüche in der Bevölkerung, etwa durch eine wachsende Zahl an Notrufen, für die wir nicht zuständig. Dies macht es uns sehr schwer bis unmöglich, die Vorgaben der Gesundheitsreform umsetzen zu können.“ Gerade die steigende Zahl an Notrufen resultiere auch durch die sinkende Zahl an niedergelassenen Ärzten auf dem Land. „Alternativ werden wir angefordert.“ Die Problematik verdeutlichte Benjamin Crain: „Bei meinem letzten Einsatztag war ich zu 50 Prozent mit Fällen von Depression befasst. Hier können wir dann auch nicht einfach wegfahren ohne Gespräch. Den Einsatz können wir aber mangels Patiententransport nicht abrechnen.“
Thorsten Frei zeigte sich für die Schilderungen der Details aus dem Alltag der Helfer sehr dankbar. Er betonte aber den Sparzwang aus besagten Gründen und gespart werde leider oft erst durch Schaffung von Fakten. „Unser System kann nach Jahren der wirtschaftlichen Stagnation nicht mehr leisten. Entsprechend sind Anpassungen erforderlich und auch Änderungen in der allgemeinen Erwartungshaltung.
