In einer Anhörung des Bundestagsgesundheitsausschusses haben Fachleute in dieser Woche vor einer Reduzierung der psychotherapeutischen Versorgungskapazitäten gewarnt, sollten die geplante Honorarkürzung sowie die Deckelung der Honorierung, die im GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz vorgesehen ist, tatsächlich umgesetzt werden. Diese Einschätzung teilten auch Vertreter der Psychotherapie im Schwarzwald-Baar-Kreis bei einem Gespräch am Samstagmorgen mit Thorsten Frei in einer Praxis in Villingen-Schwenningen. Frei betonte, dass der Psychotherapie im Gesundheitswesen allgemein noch nicht die Aufmerksamkeit zuteilwerde, die es angesichts des steigenden Bedarfs wohl nötig sei. Er sagte aber auch, dass alle am System Beteiligten einen Beitrag zur Kostendämpfung leisten müssten, die Rolle der Psychotherapie im parlamentarischen Prozess der Gesundheitsreform aber gewiss berücksichtigt werde.
Kerstin Koch, Kinder- und Jugendtherapeutin, Dr Wenning, Jugend- und Erwachsenentherapeutin, Alina Wuttke, Erwachsenentherapeutin, Dirk Bolender, Psychiater, Roswitha Mayer, Kinderpsychiaterin, und Monika Pachtenfels, Erwachsenentherapeutin, wiesen zu Beginn des Austauschs auf eine unbefriedigende Versorgung in ihren Bereichen im Schwarzwald-Baar-Kreis hin. Die Liste der Hilfesuchenden sei sehr lang und das bestehende ambulante Therapieangebot bei weitem nicht ausreichend. Durch die Gesundheitsreform in der aktuellen Vorlage müssten alle Therapeuten ihr Angebot künftig zurückfahren. Viele Patienten würden in ihrer Not alleingelassen, die Not und Folgekosten durch stationäre Aufenthalte noch größer. Dabei müsste man die ambulante Therapie angesichts steigender Fallzahlen eher stärken, zumal psychologische Probleme oft in körperlichen Erkrankungen münden würden, deren Behandlung viel teurer seien.
Thorsten Frei wies diese Argumentation nicht zurück, dankte für die unbestritten wertvolle Arbeit, betonte aber die Notwendigkeiten, im Gesundheitssektor sparen zu müssen. „Wenn wir dies jetzt nicht tun, wird schon in wenigen Jahren noch mehr Geld im System fehlen und es zu noch viel drastischeren Kürzungen kommen.“ Zudem müsse das System im internationalen Vergleich effizienter werden: „Wir haben das drittteuerste System in der Welt, in der Leistung liegen wir nur im Durchschnitt.“
