Gespräch mit Gründerin eines Pflegedienstes in Villingen-Schwenningen

Die Bundesregierung reformiert den Sozialstaat, um die Kostenentwicklung zu bremsen und die Belastung für jeden Beitragszahler zu stabilisieren. Dazu gehören auch die Pflegekassen, denen das Geld auszugehen droht. „Bei dieser Reform wird es Einschnitte geben, um Einnahmen und Ausgaben auszugleichen“, betonte Thorsten Frei, der auf Einladung von Berthold Denzel, dem Landesbeauftragten des Bundesverbandes privater Anbieter sozialer Dienste e.V. in Stuttgart, den Pflegedienst „Vital Plus“ in Villingen-Schwenningen besuchte. Diesen hatte Michelle Kengni zum Jahreswechsel zusammen mit ihrem Mann Price gegründet.

Inzwischen umsorgen und unterstützen sieben Beschäftigte 70 Menschen in Pflege und Hauswirtschaft. Thorsten Frei gratulierte der jungen Firmengründerin, für ihren Mut und ihr Engagement. Er verteidigte auch die Notwendigkeit die Pläne der Regierung: „Die Reform muss kommen, weil wir heute schon 42 Prozent vom Brutto allein für die Sozialversicherungen ausgeben. Dann sind noch keine Steuern abgeführt. Das bedroht unseren Wohlstand wie auch die Wettbewerbsfähigkeit unserer Wirtschaft.“ Auch Berthold Denzel sprach von der Notwendigkeit der Reform. Diese dürfe die privaten Dienste, „die über 60 Prozent der Pflegeleistungen tragen“, aber nicht benachteiligen. Er sprach dabei geplante Deckelungen an, von der gemeinnützige Pflegedienste weniger betroffen sein sollen. „Private Anbieter sind nicht geduldet, sondern erwünscht“, meinte Thorsten Frei dazu. „Ich teile die Ansicht, dass es hier zu keiner Bevorzugung kommen darf.“

Benachteiligt sieht sich Michelle Kengni, die 2015 aus Kamerun zur Ausbildung als Pflegefachkraft nach Deutschland kam und sich für den Weg in die Selbstständigkeit zur Fachwirtin ausbilden ließ, in Bezug auf träge Auszahlungsmodi der Krankenkassen. „Wir müssen Monate im Voraus in Vorleistung gehen und uns dann auch noch mit unverständlichen Kürzungen mit den Kassen auseinandersetzen. Diese Praxis kann jeden Dienst in finanzielle Schwierigkeiten bringen, schließlich muss ich meine Mitarbeiter auch pünktlich bezahlen.“

Generell zeigt sie sich mit der Entwicklung von „Vital plus“ sehr zufrieden. „Wir wurden in jedem Haushalt sehr freundlich und dankbar aufgenommen, weshalb ich die Entscheidung für den Weg in die Selbstständigkeit nicht bereue“, meinte die Kengni, die bereits neue Pläne schmiedet und mittelfristig eine Pflegeschule gründen möchte.

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