Diskussion mit über 150 Schülern in Villingen-Schwenningen

„(Wie) erreicht Politik die Jugend in Zeiten zunehmender Radikalisierung?“ Diese Fragen bestimmten die Diskussion am Samstagmorgen mit rund 150 Schülern der Oberstufe und zehnten Klassen des Gymnasiums am Hoptbühl in Villingen-Schwenningen. Es ging bei den Schülerfragen aber auch um die Wehrpflicht oder um kostenloses Mensaessen und ÖPNV sowie das Erstarken der politischen Ränder.

Social Media ist das Medium, das die meisten Jugendlichen als Informationsplattform heute nutzen. Die gemäßigten Parteien haben hier größere Probleme als jene an den politischen Rändern. „Der Mensch reagiert mit emotionaler Intensität. Krawalliger Inhalt stößt auf größeres Interesse“, sagte Frei. „Die Algorithmen sorgen dafür, dass die Menschen in thematische Bubbeln gesteuert werden, die eine verfälschte Wirklichkeit spiegeln. Da ist es schwer, mit realpolitischen Inhalten große Aufmerksamkeit, gerade bei den Jugendlichen, zu wecken.“

Die Diskussion um die Wehrpflicht liege an der veränderten Sicherheitslage: Krieg in der Ukraine und weniger Unterstützung des Nato-Partners USA. Um die Sicherheit des Landes in dieser Lag zu verbessern, brauche es mit 240 000 Soldaten etwa 60 000 mehr als heute. Dann liege man etwa bei einem Drittel der Soldatenzahl im geteilten Deutschland. Diese Zahl sollte daher auch ohne Wehrpflicht zu erreichen sein.

Gerne hätten die Jugendlichen einen kostenlosen ÖPNV. Dafür zeigte Frei großes Verständnis. In Städten mit entsprechender Infrastruktur wäre dies einfacher zu bewerkstelligen. Auf dem Land sehe es ganz anders aus. Hier müsse der Landkreis als Betreiber bereits enorm viel Geld in die Hand nehmen, um einen Takt-Verkehr bereitzustellen, meinte Frei. Alles kostenlos bereitzustellen wie Bus, Bahn, Mensaessen oder Kitas müsse finanziert werden, also über Steuergeld oder über Schulden zu Lasten der jungen Generation. Das sei dann verantwortungslos.

Weshalb dann Milliarden für den Tankrabatt? „Die Frage ist berechtigt. Aber das ist Politik. Durch die hohen Kraftstoffpreise werden vor allem Einkommenschwächere stark belastet. Diese will man entlasten. Aber es ist richtig, dass der Rabatt für den Staat sehr teuer ist und 17 Cent pro Liter bei den aktuellen hohen Preisen nicht allzu viel sind.“   

Thorsten Frei sprach abschließend von einem sehr professionell gemachten Format. Er lobte die gute Moderation, die Fragen und auch die musikalische Begleitung der Schulband.

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