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Thorsten Frei im Austausch mit der IHK

Weniger staatliche Hilfen als erwartet haben die Unternehmen im Bereich der IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg in der Corona-Krise angenommen. Die Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt seien jedoch deutlich spürbar, bilanzierte IHK-Hauptgeschäftsführer Thomas Albiez beim Gespräch mit dem direkt gewählten Bundestagsabgeordneten Thorsten Frei, in dem es auch um die Erwartungen für die nächsten Monate ging.

Thomas Albiez dankte Thorsten Frei und der Regierung für das im internationalen Vergleich sehr gute Krisen-Management und die finanzielle Unterstützung für die Unternehmen. Thorsten Frei gab den Dank wiederum zurück: „Die IHK und die Handwerkskammern haben bei der Vermittlung der Soforthilfen großartig unterstützt und eine tolle Arbeit geleistet.“ So schnell wie nach der Krise 2008 werde man den tiefen Einschnitt aber nicht wettmachen können, meinte Albiez: „Neben der Reise- und auch der Veranstaltungsbranche gehen vor allem der Handel und die Gastronomie bei den weiterhin bestehenden Gefahren durch Corona schwierigen Zeiten entgegen, zumal ihnen auch umsatzstarke Aktionstage in diesem Jahr wegbrechen. Dort, wo verkaufsoffene Sonntage oder Weihnachtsmärkte ausbleiben, wird den Betrieben der Innenstadt nicht geholfen. Mit dem Auslaufen der Sonderregelung des Insolvenzrechts in Bezug auf die Insolvenzantragspflicht zum 30. September rechnet Albiez im vierten Quartal möglicherweise mit einer wachsenden Anzahl an Insolvenzen. Wichtig sei es deshalb, die bestehenden Unterstützungsangebote genau zu prüfen und bei Bedarf in Anspruch zu nehmen. Beispielhaft gelte dies für die theoretisch 2000 Antragsberechtigten im regionalen Hotel- und Gaststättengewerbe für die Stabilisierungshilfe des Landes.

Eher zuversichtlich zeigt sich der Hauptgeschäftsführer in Bezug auf die Perspektiven der Industrie. Allerdings werde die Krise auch hier ihre Spuren hinterlassen. "Die Lage in der Industrie ist derzeit sicherlich nicht gut. Aber wir glauben, dass sich die Branche vergleichsweise schneller erholen wird - allein deshalb, weil es eine grundsätzliche Nachfrage nach unseren hochtechnologischen Gütern gibt." Etwas schwieriger sei die Situation im Teilbereich der regionalen Automobilzulieferindustrie. "Diese befand sich schon vor Corona in einem fundamentalen Transformationsprozess weg vom Verbrennungsmotor hin zu neuen Antrieben." Deshalb seien die Hilfsprogramm von Bund und Land so wichtig. "Denn entscheidend für den Weg aus der Krise ist, das Eigenkapital der Unternehmen zu stärken und so die dringend notwendigen und zukunftssichernden Investitionen anzuschieben." 

Thomas Albiez hofft natürlich, dass auch der Staat die Konjunktur mit zusätzlichen Investitionen beleben wird. Thorsten Frei bejahte dies mit der Einschränkung, dass der Bund zuletzt auf allen Ebenen Rekordinvestitionen getätigt habe: „Wir waren aber an dem Punkt angelangt, wo nicht das Geld, sondern die Umsetzung, also die Planungs- und Baukapazitäten, das Problem waren und sind. Jede fertig geplante Bundesstraße wird gebaut, Milliarden stehen für die Digitalisierung der Schulen zur Abrufung bereit und Millionen an Fördergeldern fließen derzeit in den Breitbandausbau im Landkreis. Es könnte noch mehr sein, wenn nicht die Bauunternehmen ausgelastet wären.“ Dem widersprach Albiez nicht: „Selbst in der jetzigen Zeit ist der Fachkräftemangel mit die größte Wachstumsbremse.“ 

Einigkeit zeigten beide beim „Lückenschluss“, der geplanten Verlängerung der B523. Dieser müsse zügig und vor allem leistungsstark ausgebaut werden, um die A5 und die A81 und damit auch die an dieser Strecke liegenden Städte und Gemeinden besser zu verbinden.