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Im Dialog mit Veranstaltern

Die Veranstaltungsbranche ist mit 130 Milliarden Euro Umsatz und 1,5 Millionen Mitarbeitern vor Corona die sechstgrößte Wirtschaftsbranche in unserem Land und durch Veranstaltungsverbote aktuell stark betroffen. Seit dem Lockdown im Frühjahr ruhen die Geschäfte weitgehend. Vielfach bleibt nur die Organisation von Online-Veranstaltungen, die die laufenden Kosten nicht decken können. Die Unternehmen halten sich durch die Unterstützung über die Kurzarbeit und den Verzehr ihrer Rücklagen über Wasser. Mit der drohenden zweiten Infektionswelle fehlen der Branche neben vielfach fehlenden finanziellen Hilfen zudem die Perspektiven auf bessere Zeiten. Über Lösungswege und direkte Hilfen sprach Thorsten Frei nun mit den Geschäftsführern Dirk Gosse, Timo Dobler sowie dem Teilhaber Manuel Ulrich von Orange Production in Blumberg-Riedböhringen.

Große Autohersteller, Zulieferer, Modehersteller oder Organisationen wie der DFB oder Bayern München gehören zum Kundenstamm von Orange Production. Mit sieben festen und einem breiten Partnernetzwerk fließen im Gebäude im Riedböhringer Gewerbegebiet die Fäden für die Organistation von Veranstaltungen zur Produktpräsentation, für Firmenjubiläen oder Meisterfeiern zusammen. Inzwischen addiert sich der entgangene Umsatz hier im Millionenbereich. „Wenn alles so bleibt wie jetzt, können wir uns noch ein halbes Jahr über Wasser halten, dann sind unsere Reserven aufgebraucht. Deshalb brauchen wir nun konkrete Unterstützung von der Politik, wenn es darum geht, kleinere Veranstaltungen mit klaren Hygienekonzepten zu organisieren. Parallel benötigt unsere Branche finanzielle Hilfen, die sich nicht an den gewöhnlichen Parametern orientiert. Denn unser Geschäft ist jahreszeitlich enorm schwankend, wodurch wir bislang durch sämtliche Raster der Hilfsprogramme gefallen sind und noch keinen Euro staatliche Hilfe erhalten haben“, sagt Dirk Gosse. Nach mittlerweile 7 Monaten des Stillstands sei die starke Kapitaldecke fast vollständig aufgebraucht und man könne künftig weitestgehend nur durch Fremdkapital wie einem KfW- Darlehen existieren, so Teilhabe Manuel Ulrich.

Hier sagte Thorsten Frei zu, die Problematik bei den entsprechenden Stellen in Berlin weiterzugeben. Schließlich gelte es weiterhin, die funktionierenden Wirtschaftsstrukturen zu erhalten. Entsprechend habe Deutschland etwa zehn Mal mehr für Hilfsmaßnahmen bereitgestellt als der Nachbar Frankreich. „Wir müssen uns verstärkt auf jene Branchen konzentrieren, die aktuell ihre Arbeit nicht machen dürfen oder eben Wege finden, wie Veranstaltungen wieder stattfinden können“, meinte Frei. Dabei geht es den Veranstaltern nicht um die großen Events mit Menschenmassen, sondern hauptsächlich um Veranstaltungen, die auch für die Wirtschaft essentiell sind, etwa Produktpräsentationen für die Kundschaft in der ganzen Welt. „Veranstaltungen mit einer überschaubaren Zahl an registrierten Teilnehmern und entsprechendem Abstand sollten eigentlich möglich sein. Sie machen teilweise 80 Prozent des Geschäfts einiger Veranstalter aus. Bei uns sind es 50 Prozent. Das Problem ist, dass wir hierzu das Okay und die Rückendeckung von der Politik unter Erfüllung klar definierter Regeln für den Ablauf erhalten“, sagt Timo Dobler. Veranstaltungen in gewissem, von den Behörden nicht immer klar definiertem Rahmen und unter Hygiene seien zwar möglich, doch das Risiko des Imageverlustes durch Bekanntwerden einer Infektion sei viele Industriekunden einfach zu groß. Deshalb bedürfe es der Unterstützung aus der Politik.